Der Moment wird kommen

Jürgen Schulz hat sich Gedanken zur Jahreslosung 2026 gemacht, zu den großen und bekannten Worten aus Offenbarung 21,5. Da heißt es „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“ Was das schon heute für uns bedeuten kann? Wie sich erfüllt, was da steht? Wo Gott am Werk ist? Lesen Sie selbst.

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Gott ist leise
Schönheit beflügelt uns. Mit guten Freunden am Tisch, bei einem feinen Essen in einer besonderen Location – so ein Abend wird wundervoll. Schönheit berührt uns tief im Herzen. In einer Welt, die Chaos und Dunkelheit nur allzu gut kennt, sind es oft die kleinen, schönen Dinge, die uns neu zur Ruhe kommen lassen, Hoffnung schenken und ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Allzu leicht übersehen wir im Alltag die unscheinbaren Momente der Gegenwart Gottes. Wenn nach dem Winter die ersten grünen Triebe sichtbar werden, wenn zwei Jugendliche einem älteren Herrn über die Straße helfen oder ein Geiger von Weltrang ein Konzert in einer Kleinstadt gibt. Es sind leise Erfahrungen, die uns die Schönheit Gottes neu erleben lassen. Denn Gott selbst spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“

Gott tut es
Während er spricht, sitzt er auf seinem Thron – würdevoll und mächtig. Er, der dreieinige Gott, der königliche Herrscher über die ganze Schöpfung, verkündet am Ende der Offenbarung, in den letzten Zeilen der Bibel: „Siehe, ich mache alles neu.“ (V. 5) Worte voller Hoffnung und Zuversicht. Worte, die uns an Gottes Treue erinnern. Denn derselbe, der sagt: „Ich mache alles neu“, spricht auch: „Es ist geschehen.“ (V. 6)

Beide Worte gehören untrennbar zusammen. Die hoffnungsvolle Botschaft des christlichen Glaubens verbindet die Ewigkeit mit der Gegenwart. Schon im Alten Testament wird ein neuer Himmel und eine neue Erde verheißen (vgl. Jes 65,17). Die Propheten wecken die Erwartung, dass Gott „etwas Neues schaffen wird“ (Jes 43,19). Die Offenbarung verbindet Verheißung und Erfüllung.

Gott im Heute
Gott vertröstet uns nicht auf eine ferne, bessere Welt, die erst noch kommen muss. Mit Jesus ist das Neue bereits angebrochen. Durch seine Geburt, seinen Tod, seine Auferstehung und Himmelfahrt ist die Welt nicht mehr dieselbe. In der Begegnung mit Jesus konnten Blinde sehen, Lahme gehen und Tote leben. Hungernde wurden satt, Kranke geheilt, Besessene von ihrer Qual befreit. Menschen, die keinen Ausweg mehr aus dem Leid dieses Lebens sahen, erfuhren: Das Leben wurde wieder schön. Es wurde gut. Es wurde neu.

Mitten in dieser schmerzvollen Welt schafft Gott das Neue. Wer sich Jesus im Vertrauen zuwendet, erlebt, wie der Glaube das Leben schon hier und jetzt grundlegend verändert. Zwar ist unsere gegenwärtige Wirklichkeit weiterhin von Leid und Tod geprägt. Die Macht der Sünde und ihre Folgen sind noch spürbar. Die Welt leidet – und wir mit ihr. Und doch wird das Neue sichtbar: heilende Hände mitten im Elend des Krieges, versöhnliche Worte mitten im Streit, entschlossene Schritte selbstloser Hilfe. Noch ist nicht alles gut. Noch warten wir darauf, dass wirklich alles neu wird – dass es Krankheiten, Kriege, häusliche Gewalt, Naturkatastrophen und all das Leid nicht mehr gibt. Doch dieser Moment wird kommen.

Gott vollendet
„Siehe, ich mache alles neu.“ Das glauben wir, das erleben wir, das verkündigen wir. Gott selbst hat diese Worte aufschreiben lassen (V. 5b). Und so wie sich die Verheißungen des Alten Testaments erfüllt haben, wird auch diese Verheißung der Offenbarung Wirklichkeit werden. Die schönen Momente unseres Lebens erinnern uns schon jetzt daran.

Gott schafft bereits heute eine neue und schöne Wirklichkeit – mitten in unserer Zeit. Sie ist hier und da sichtbar. Wir müssen nur hinschauen. Menschen gestalten schöne Orte, und wir sind eingeladen, über die Kreativität und Größe Gottes zu staunen. In unseren Begegnungen erleben wir Gott selbst, werden ermutigt und fröhlich und merken, wie er sich im Alltag Raum schafft. Wir spüren: Die Schönheit des Himmels ist schon heute da.

Dr. Jürgen Schulz, Rektor des Theologischen Seminars Adelshofen