
Jürgen Schulz, Michael Bird und Benjamin Marx
Man kommt sich durchaus nahe, wenn vier erwachsene Männer bei über 30 Grad Außentemperatur in einem Auto Hunderte Kilometer miteinander unterwegs sind. Und das gilt nicht nur für den begrenzten Raum im Fahrzeug. Benni Marx hat das erlebt und erzählt von einer schön intensiven Woche, in der Nähe zu etwas größerem wurde, als bloß nebeneinander zu sitzen.
Ein Australier, ein Engländer und zwei Deutsche fahren über die Autobahn. Dieser Satz, der wie die Einleitung zu einem guten Witz klingt, fasst kompakt zusammen, was wir Anfang August erlebt haben. Es war eine besondere Pilgerreise. Michael Bird aus Australien, Ben Coulter aus England, Jürgen Schulz und ich waren gemeinsam eine Woche unterwegs. Vier Theologen, die entdeckten, wie unmittelbar Theologie auch mit der eigenen Biografie verbunden ist.
Darauf ein „Pilger“
Heute lebt Michael Bird mit seiner Familie in Australien. Er ist anglikanischer Priester und lehrt am Ridley College in Melbourne. Geboren wurde er aber in Deutschland, genauer gesagt: in Paderborn – der Heimatstadt von Jürgen. Michaels Vater war britischer Soldat und dort bis 1975 stationiert. 50 Jahre später kam Michael nun das erste Mal wieder zurück – mit sehr gemischten Gefühlen; hatten sich seine Eltern doch „kurz nach Paderborn“ scheiden lassen. Nach einigen Tagen in der Domstadt ging es über Münster, Gießen und Erzhausen zurück nach Adelshofen, dort und in Heidelberg gab es weitere wertvolle Begegnungen, eine fast echte Pilgerreise eben. Nur, dass wir nicht laufen mussten.
Am Sonntag unserer Tour hat Mike in der Paderkirche gepredigt, der evangelischen Freikirche, in der Jürgen vor seinem Wechsel ans TSA als Pastor diente. Für ihn war es eine Rückkehr in seine Heimat, für Mike in dessen Geburtsstadt. Beide leben heute an einem anderen Ort. Und gerade das wird im Austausch unter uns immer wieder deutlich: wir sind alle unterwegs. Aus Liebe zu Gott und den Menschen haben wir uns in einen Dienst rufen lassen, der auch Umzüge mit sich brachte. Fun fact: Bei einem guten Paderborner Bier, dem „Pilger“ (ja, das heißt wirklich so…), sinnierten wir auch über die Bestimmung von Christen. Christen sind und bleiben auf dem Weg in ihre himmlische Heimat, sie sind noch nicht am Ziel.
Noch nicht daheim
Beim Zwischenstopp in Münster besuchten wir das Bibelmuseum und schauten uns die Wiedertäufer-Käfige an der Lambertikirche an, beim Abendessen in Gießen saßen wir mit Freunden und Kollegen der Freien Theologischen Hochschule zusammen. Und wieder wurde deutlich, wie sehr die persönliche Biografie eines jeden auch die Theologie mitprägt. Mike hat sich in einer Baptistengemeinde bekehrt. Heute ist er anglikanischer Priester. Ben Coulter gehört ebenfalls zur anglikanischen Kirche. Jürgen und ich haben einen freikirchlichen Hintergrund. Und trotzdem arbeiten wir alle gut zusammen und dienen Gott. Die Zeit, in der Christen anderer Konfessionen in Käfige gesperrt wurden, ist Gott sei Dank vorbei! Die wertschätzenden Begegnungen mit Kollegen und Freunden aus dem Bund der Pfingstgemeinden am Theologischen Seminar Erzhausen spiegeln das genauso wider wie der Austausch und das Gebet mit einem Professor der Universität Heidelberg.
Die Biografien sind unterschiedlich, die Wege in den Dienst für Jesus einzigartig. Dennoch stehen wir zusammen. Wir forschen und lehren gemeinsam. Wir beten und dienen gemeinsam – erlöst durch Jesus Christus und verbunden durch seinen Geist. Wir sind in unterschiedlichen Konfessionen zu Hause, aber gemeinsam als Pilger unterwegs. Als Christen gehören wir zur einen, heiligen, christlichen und apostolischen Kirche. Dieses Zitat aus dem Glaubensbekenntnis Nizäno-Konstantinopolitanum von 325 n. Chr. fasst die Grundüberzeugung der gesamten Christenheit zusammen, und am Ende unserer Reise steht auch uns fest vor Augen, was wir vorher schon wussten: hier waren nicht einfach nur vier Theologen unterwegs auf der Autobahn, sondern Brüder, die im Leben gemeinsam auf dem Weg sind.
Dr. Benjamin Marx gehört seit Anfang 2025 als Dozent für Neues Testament (mit Nebenfach Missionswissenschaften) zum Team des TSA.