Anders, als erwartet
Ein Teil des Lebens in Adelshofen wird durch stetes Kommen und Gehen markiert, so auch am Theologischen Seminar. In diesem Sommer ziehen Leah Meier und Björn Sand weiter und schauen dabei auch auf die vier Jahre ihres Studiums zurück. Und so unabhängig sie das voneinander tun, so einig sind sie sich doch offensichtlich im Ergebnis: Es war anders, als erwartet.
Dieser Beitrage ist im LZA-Journal 2/2026 erschienen.

Meine Zeit am TSA fühlt sie sich für mich an wie eine intensive Bauphase, in der Gott an meinem Charakter, meinem Glauben und meiner Berufung gearbeitet hat – oft anders, als ich es geplant hatte. Ich war mit klaren Vorstellungen gestartet, aber unterwegs habe ich gelernt: Ich halte vielleicht Hammer und Zollstock in der Hand, doch der eigentliche Baumeister ist der Herr selbst.
Gelebte Kultur
Im Studium habe ich viel neues Wissen mit auf den Weg bekommen: Homiletik, Bibelkunde, Dogmatik, Gemeindepädagogik. Aber das, was mich nachhaltig prägt, sind weniger die Skripte als der geistliche Alltag: gemeinsame Gebetszeiten, Andachten, das Miteinander von Kommunität, Geistlichem Zentrum und TSA. Ich habe eingeübt, mein Leben im Rhythmus von Hören und Tun zu leben – zuerst vor Gott zu stehen und dann erst für ihn zu arbeiten. Ich kenne die Versuchung nur zu gut, früh aufzustehen, spät ins Bett zu gehen, noch eine Aufgabe anzupacken und innerlich zu meinen: „Wenn ich es nicht mache, macht es keiner.“ Aber gerade in Prüfungsphasen und vollen Semestern hat Gott mich eingeladen, mein Tempo zu drosseln.
Gott hat im Studium auf verschiedene Weise an mir gearbeitet: Durch Dozenten, die ihr Herz geteilt haben; durch Kommilitonen, mit denen ich Glauben und Zweifel teilen konnte; durch Konflikte, in denen ich lernen musste, ehrlich zu werden und um Vergebung zu bitten. Ich habe erfahren, wie heilsam es ist, in einer Gemeinschaft zu leben, in der man einander trägt, korrigiert und ermutigt – und in der das Vertrauen auf Gott konkrete, gelebte Kultur ist.
Ich glaube Gott
Dieses Vertrauen nehme ich mit in meine Zukunft. In Bad Herrenalb werde ich ein Haus mitgestalten, in dem Menschen Gott begegnen, im Glauben wachsen und zur Ruhe kommen können. Besonders am Herzen liegt mir dabei die Beziehungsarbeit: Zeit für echte Begegnungen, für Gespräche im Speisesaal oder auf der Bank vor dem Haus, für Tränen und Fragen, für gemeinsames Lachen und geteilte Glaubenserfahrungen.
Wenn ich an die Zeit nach dem TSA denke, trage ich in mir eine Mischung aus Hoffnung, Sorgen und Gewissheit. Hoffnung, weil ich glaube, dass Gott Türen öffnet und die Gaben gebraucht, die er in Adelshofen in mir geformt hat. Sorgen, weil da praktische Fragen sind: Reicht unsere Kraft für den Alltag? Wie wird sich das finanziell tragen? Wie wird sich unser Familienleben in diesem neuen Dienst gestalten? Und die Gewissheit: Gott hat mich bis hierhergeführt – er wird auch weiter mit mir gehen!
Björn Sand wird ab Herbst 2026 gemeinsam mit seiner Frau Iris und Tochter im Henhöferheim in Bad Herrenalb/Neusatz leben und arbeiten.
Am Anfang meines Studiums am TSA hatte ich einen ziemlich genauen Plan, was es mir bringen soll und was mein Ziel ist. Aber erst in den vier Jahren habe ich gelernt, was es wirklich bedeutet, für und mit Gott im Dienst zu stehen und sich von ihm leiten zu lassen. Meine beruflichen Ziele sind heute immer noch ähnlich, wie die vor vier Jahren, aber die Zeit am TSA hat verändert, wie ich mit Gott zusammen gehe.
Was sagt man da?
Immer wieder habe ich in meinem Studium erlebt, wie Gott mich durchträgt. Im wahrsten Sinne des Wortes war ich an seiner Hand – weil er nie losgelassen hat. Selbst in den Zeiten, wenn ich mal nicht so festgehalten habe. Und diese Momente gab es auch! Manchmal im Studium, wenn die Zeit und Kapazität zu eng waren. Manchmal im Persönlichen, wenn meine Zeit mit Gott unter den Tisch gefallen ist. Manchmal auch im Praktischen: Ich erinnere mich an eine Situation, in der mich ein Kind fragte: „Warum passt Gott nicht gut auf mich auf? Immer wenn ich in die Schule gehe, schlagen und ärgern mich die anderen Kinder. Ich glaube nicht, dass Gott auf mich aufpasst“. Was sagt man da? „Doch, Gott liebt dich, er ist sogar für dich gestorben“? Das ist doch wohl etwas zu kurz gegriffen. Eine große Rede über die Macht der Sünde? Auch irgendwie unpassend.
Mitten im Leben
Gott im Studium kennenzulernen, auch in den herausfordernden Geschichten der Bibel zu forschen und Gottes Wesen im Alltag zu erleben, mich von Gott tragen zu lassen, all das hat mir in diesem Moment geholfen. Gott ist daran interessiert, jede Freude, jeden Schmerz, jede Frage und jede Aktion mitzutragen, jede Facette unseres Lebens mitzuleben. Also haben das Kind und ich gebetet, ehrlich vor Gott, mit all der Wut und allen Fragen. Wir saßen eine ganze Weile einfach nur mit Gott zusammen – mitten im Leben. Das Kind hat dabei neuen Mut gefasst, hat sich getraut, Gott neu um Hilfe zu fragen. Nicht, weil ich ihm eine gute Antwort geben konnte, sondern weil Gott mich gelehrt hat, dass ER hält, wo nichts mehr hält.
Antworten finden
In diesem Wissen schaue ich nach vorne und glaube, dass Gott mir zeigt, wo ich zukünftig in seinem Reich mitbauen darf. Natürlich mache ich mir Gedanken: Welche Gemeinden und Menschen werden mir begegnen? Welche Fragen sind für welche Gemeinde wichtig? Wie finanziere ich eigentlich ein erstes eigenes Auto? Wo finde ich einen passenden Hundesitter? Und im Rückblick auf das Studium in Adelshofen und die Zukunft: Wie entwickeln sich Prozesse? Wie lernen neue Studierende Gott im geistlichen Zentrum kennen? Ich wünsche mir, dass sie ähnlich positive Erfahrungen machen, wie ich.
Leah Meier arbeitet voraussichtlich ab September 2026 in der Kirchengemeinde Hilsbach-Weiler.

